Kairo (2005 - 2006)
Ich richte mich im Zentrum von Kairo ein. Auf der Höhe eines Daches entdecke ich die Sicht, die mich während der nächsten Monate faszinieren wird. Mein Blick schweift zwischen komplexen Gebäuden, Minaretten, kolonialen Fassaden, monumentalen Hotels und informellen Quartieren herum. Im Herzen dieses urbanen Monsters versuche ich das charakteristische Licht des Mittleren Orients einzufangen, welches durch die Luftverschmutzung sonderlich glitzert.
Sehr schnell macht mich die Dichte dieser Stadt trunken. Von dieser Explosion an visuellen Eindrücken sind meine Sinne aufs Äusserste gespannt. Ich lasse meiner Hand freien Lauf. Sie drückt sich auf ihre eigene Art aus. Eine irrationale, fast halluzinatorische Wahrnehmung setzt sich durch. Der Ausdruck, der am besten meine Haltung beschreibt, ist: « Malen mit geschlossenen Augen ».
Die Anwesenheit der Wüste um die Stadt herum vermittelt einen Geschmack der Ewigkeit. Die Erfahrung der Zeit prägt mich. Alles Materielle leidet unter der Zeit, verfällt, zerbricht, stirbt. Auf der anderen Seite, explodiert das unglaublich vielfältige Leben in seiner Spontaneität und nimmt ungeordnete, anarchische Züge an. Paradoxe tauchen überall auf und bringen eine unvorhergesehene Schönheit zum Vorschein. Da in dieser Stadt nichts wirklich beendet ist, stelle ich meine eigene Besessenheit der Fertigstellung in Frage. Warum ein Bild fertig malen?