Masken (2001)

Alles beginnt mit dem Portrait einer Freundin – Anoushka. Auf einer schwarzen Leinwand male ich ihre Augen, von diesen aus ihr ganzes Gesicht. Ich lasse ihre weiblichen Attribute beiseite, ignoriere Haar und Schmuck. Mein Ziel ist einzig, ihren Blick einzufangen. In den Augen enthüllt sich die Seele.

Nach und nach kommen fünfzig Personen, Freunde und Bekannte, in mein Atelier posieren. In mehreren Sitzungen lasse ich ihre Gesichtshülle auf einem rauen und dunklen Hintergrund zum Vorschein kommen. Die Seele hat kein Geschlecht, sage ich mir. Folglich sondere ich ihre körperliche und soziale Identität ab. Ich versuche einfach die Züge seiner «Maske» vertraut zu machen, zu erwähnen, was sie verhüllt hat.

Schliesslich gestaltet sich die Arbeit zu einem grossflächigen Fresko, dessen Zusammenstellung offen bleibt. Sind alle Portraits auf einer Wand vereinigt, beeinflussen sie sich wechselseitig, sympathisieren miteinander oder stossen sich einander überraschend ab.

Voir Hélène Faucherre, Tombent les masques! (II-III) film, 61 minutes, 2001. Lire Interviews retranscrites. (deutsch)